Auf dem Foto von links: Gunther Müller, Derya Türk-Nachbaur, Thomas Vosseler
Foto: Eichler 

Türk-Nachbaur besucht Univent-Medical

Rund 150 Nanometer ist das Coronavirus klein. FFP2-Masken, die im besonderen Maßen vor dem Virus schützen sollen, müssen Partikel dieser Größe aus der Atemluft herausfiltern. Keine Selbstverständlichkeit, wie Thomas Vosseler und Gunther Müller, beide Geschäftsführer von Univent-Medical in VS-Schwenningen, der SPD-Bundestagsabgeordneten Derya Türk-Nachbaur bei ihrem Firmenbesuch schilderten.

“Wir wissen durch Tests in unserer eigenen Anlage, dass viele Masken, die nach dem FFP2- Standard zertifiziert sind, das kaum leisten”, so Vosseler. Das sei auch nicht überraschend. Immerhin sei der FFP2-Maskenstandard eigentlich für den Arbeitsschutz entwickelt worden, um beispielsweise Lackierer bei ihrer Arbeit zu schützen. “Aktuell werden die Masken darauf geprüft, ob sie im ausreichenden Maße große Partikel aus der Atemluft herausfiltern. Nur weil eine Maske nach dem FFP2-Standart zertifiziert ist, heißt das noch nicht, dass sie gut gegen Coronaviren schützt”, pflichtete Müller bei. Man habe sich bei Univent-Medical deshalb entschieden, nur Masken zu vertreiben, die nach dem Covid-Certified-Filter-Standard (CCF) zertifiziert sind. “Masken mit diesem Siegel sind geeignet, das Virus aus der Atemluft zu filtern”, so Vosseler.

16 andere deutsche Maskenproduzenten hätten bereits das Zertifikat für Ihre Masken erhalten. Viele Gesundheitsbetriebe wüssten das und würden ihre Masken bei entsprechenden Produzenten einkaufen. Bei den großen öffentlichen Vergabeverfahren spiele das CCF-Siegel hingegen keine Rolle.

“Wir konkurrieren bei den Vergabeverfahren mit Billig-Produzenten, beispielsweise aus China, deren Masken eigentlich nicht für die Filtration des Corona-Virus ausgelegt sind.”, erläutert Müller die aktuelle Misere. Ausländische Maskenproduzenten müssten zudem keinen Mindestlohn zahlen oder sich an deutsches Arbeitsrecht halten und könnten ihre Masken deutlich günstiger anbieten. Wenn bei Vergabeverfahren nur der Stückpreis berücksichtigt werde und die Filtrationsleistung und Arbeitsbedingungen in der Produktion ignoriert würden, käme man bei öffentlichen Ausschreibungen nicht zum Zuge, waren sich Müller und Vosseler einig. “Es ist nicht verständlich, dass Maskenproduzenten dadurch einen Wettbewerbsvorteil in Deutschland haben, dass sie nicht nach deutschen arbeitsrechtlichen Standards produzieren. Das ist auch nicht im Interesse der Bundesregierung, die im Gegenteil möchte, dass Menschenrechte in der Warenproduktion überall auf der Welt eingehalten werden”, stellte Türk-Nachbaur klar, die selbst Mitglied des Menschenrechtsausschusses des Bundestags ist. Sie werde deshalb die Thematik nach Berlin mitnehmen und auch für die Relevanz des CCF-Siegels bei Vergabeverfahren werben.

Aus Vosselers Sicht eine gute Sache: “Eine höhere Relevanz des Siegels bei Ausschreibungen hätte auch zum Vorteil, dass das Tragen der Masken angenehmer gestaltet werden könnte. Der Atemwiderstand macht das Tragen der Maske auf Dauer oft unangenehm. Das merkt man oft in den Bussen und in der Bahn, wenn Menschen sie nach einer Weile die Masken unter die Nase ziehen, weil sie schlecht Luft bekommen. Masken, die speziell Partikel von etwa 150 Nanometer herausfiltern, können mit einem anderen Filter ausgestattet werden, als FFP2-Masken. Diese Filter haben den Vorteil, dass das Atmen unter der Maske wesentlich leichter fällt.”

Für Türk-Nachbaur ein weiterer Grund, sich der Sache anzunehmen. “Am Anfang der Corona-Krise war es allgemeiner politischer Wille, dass man die Abhängigkeit von chinesischen Maskenproduzenten beseitigen möchte. Jetzt gilt es, die Bedingungen zu schaffen, damit sich europäische Firmen langfristig halten können”, so die SPD-Abgeordnete.

Unmittelbar nach ihrem Besuch bei Univent-Medical hat sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Türk-Nachbaur an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach gewandt. Zügig kam von ihm eine Antwort. Darin heißt es: „Eine Erkenntnis der aktuellen Coronavirus SARS-CoV-2-Pandemie ist es, dass die aktuellen Normen für partikelfiltrierende Halbmasken beziehungsweise medizinische Mund-Nasen-Schutz nicht alle Anforderungen an Masken für den alltäglichen Infektionsschutz widerspiegeln.“ Deshalb ist nun eine neue Norm in Arbeit, wie der Minister informiert. Die neue Norm für „Atemwegsinfektionsschutzmasken“ wurde vom Deutschen Institut für Normungen (DIN) bei der europäischen Normungsorganisation eingereicht und dort mit großer Mehrheit angenommen. Künftig sollen die Masken sowohl gegen den aktuellen SARS-CoV-2-Virus schützen, als auch gegen andere über die Luft übertragbaren Erreger.

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Auf dem Foto von links: Gunther Müller, Derya Türk-Nachbaur, Thomas Vosseler

Foto: Eichler