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Türk-Nachbaur würdigt Engagement von Grauzone e.V.

Vergewaltigung ist wohl der häufigste Begriff, den man in Verbindung mit sexueller Gewalt in der Öffentlichkeit benutzt. Sexualisierte Gewalt beginnt aber schon viel früher, so beim Belästigen, Bedrängen oder ungewollten Berühren von Menschen. Der SPD-Bundestagsabgeordneten Derya Türk-Nachbaur ist dies ein besonders wichtiges Thema. Sie hat sich deshalb mit Angela Donno, Geschäftsführerin und Sozialarbeiterin der Grauzone e.V. in Donaueschingen, getroffen.

Die Grauzone e.V. wurde vor 30 Jahren gegründet und ist ein gemeinnütziger Verein der Beratungen und Präventionsmaßnahmen rund um das Thema sexualisierte Gewalt anbietet. Donno berichtete: „Unsere Beratungen sind für alle da und kostenfrei. Dabei sind das Alter und das Geschlecht egal, jeder der Hilfe benötigt, erhält sie bei uns. Präventionsmaßnahmen kann man bei uns buchen. Wir haben die letzten Jahre Schutzkonzepte gemeinsam mit zum Beispiel Kindergärten und Schulen entwickelt und eingeführt. In ganz Baden-Württemberg gibt es sieben Institutionen, die Ähnliches anbieten.“

Die Schutzkonzepte für Kindertageseinrichtungen und Schulen werden dabei gemeinsam mit dem Einrichtungsteam erarbeitet. Das jeweilige Team solle für das Thema sensibilisiert werden, sodass frühzeitig sexualisierte Gewalt erkannt und bekämpft wird.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Derya Türk-Nachbaur begrüßt diese Maßnahme ausdrücklich: „Sexualisierte Gewalt bei Kindern und Jugendlichen ist besonders schlimm und die Opfer sind oft unsichtbar. Wir brauchen deshalb dringend geschulte Leute, die genau hinschauen und wissen auf welche Warnsignale zu achten ist.“

Die Statistiken besagen, dass ein bis zwei Kinder pro Schulklasse von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Jede vierte bis fünfte weibliche und jede siebte bis achte männliche Person erfährt mindestens einmal in ihrem Leben sexualisierte Gewalt. Die Dunkelziffer kann man dabei nur erahnen, da immer noch viele Menschen dies nicht anzeigen oder sich Hilfe suchen. Die Grauzone allein hat knapp 100 neue Fälle und in etwa 600 Beratungen pro Jahr.

In Zeiten der Pandemie sei es schlimmer geworden, da auch durch die Corona-Maßnahmen, Kinder und Familien nicht die nötige Unterstützung erhalten haben. „Telefonberatungen, anstatt diese in Präsenz durchzuführen, funktioniert einfach nicht“, so Donno. Für Türk-Nachbaur ein Zustand dem entgegengetreten werden müsse. „Der neu gegründete Betroffenenrat der Bundesregierung ist ein guter Start, damit wir für das Thema weiter sensibilisieren, denn sexualisierte Gewalt ist in keiner Facette hinnehmbar. Gleichzeitig kann man diesem Problem nur gesamtgesellschaftlich beikommen. Deshalb ist die Arbeit der Grauzone so wertvoll“, so die Abgeordnete.