Derya Türk-Nachbaur besucht das KWA Kurstift in Bad Dürrheim

Bad Dürrheim, 02.09.2025

Die SPD-Bundestagsabgeordnete der Region informierte sich über aktuelle Herausforderungen und die derzeitigen Entwicklungen in der Pflege

„Ein anderes Wort für Störung, 5 Buchstaben“, sagt eine Mitarbeiterin der Tagespflege laut in die Runde, während die betagten Damen und Herren vor sich hin grübeln. Mittendrin: Die SPD-Bundestagsabgeordnete Derya Türk-Nachbaur, die fleißig miträtselt. „Krise,´…Kriiiiise“, flüstert sie ihrem Sitznachbarn ins Ohr. „Jawoll Krise ist korrekt, freut sich der Bewohner!“. In der Politik gehören Krisen naturgemäß zu jeder Diskussionsgrundlage. Im Kurstift sollte es an diesem Tag jedoch um das Zusammenleben, die Arbeit, aktuelle Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen gehen.

Laut dem Statistischen Bundesamt werden in Deutschland bis 2049 mindestens 280.000 Pflegekräfte fehlen – realistisch betrachtet ist mit einem deutlich höheren Defizit zu rechnen. Digitale Technologien bieten eine zukunftsweisende Lösung: Sie optimieren Arbeitsabläufe, entlasten das Personal und steigern die Effizienz. Doch an manchen Stellen stößt die Digitalisierung in der Pflege an seine Grenzen. Seit Januar 2024 ist das E-Rezept eingeführt, doch die elektronische Gesundheitskarte (eGK) muss trotzdem quartalsweise beim Hausarzt eingelesen werden. Es ist unverständlich, dass diese veraltete, analoge Verfahren alle 90 Tage nach wie vor durch das zeit- und personalintensive Einsammeln und Stecken der Karten in ein Lesegerät beim Arzt erfolgen muss.

Auch die Weiterentwicklung der Telematikinfrastruktur (TI) unter Berücksichtigung der Anforderungen von Pflegeeinrichtungen spielt hier eine zentrale Rolle: es müssen unbedingt für alle Beteiligten Zugriffsrechte auf die elektronische Patientenakte gewährt werden. Auch heute noch ist es so, dass der Medikamentenplan vom Arzt per Fax an den ambulanten Dienst oder die Pflegeeinrichtung gesandt wird, anstatt dass alle Beteiligten wie der Arzt, die versorgende Apotheke und alle Pflegeberufe auf einheitliche Daten ohne Zeitverzug in der digitalen Patientenakte zugreifen können.

Während Derya Türk-Nachbaur in einen grasgrünen Kasack schlüpft, um die Bewohner auf dem Wohnbereich Pflege kennenzulernen, ist ein weiterer Gast im Kurstift beim Ambulanten Dienst zu Gange. Dominic David Steinbrenner ist Landesreferent vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V., kurz bpa genannt. Auch er möchte sich ein Bild vom bekannten Seniorenwohnstift am Salinensee machen und die alltäglichen Aufgaben näher kennenlernen. Ihn beschäftigt besonders, die steigende Anzahl von Sozialhilfeempfängern im stationären Sektor. Ursächlich dafür ist die demografische Entwicklung, der medizinische Fortschritt, die Einführung eines weiter gefassten Pflegebedürftigkeitsbegriffs, aber auch steigende Pflegevergütungen durch deutlich gestiegene Löhne und Gehälter in der Pflege.

Das Konzept des Kurstifts sieht das gehobene Seniorenwohnen als zentralen Punkt ihrer Arbeit. Insgesamt 150 Bewohnerinnen und Bewohner werden hier vom Ambulanten Dienst und der Persönlichen Assistenz versorgt. Dank ausgebildeter Betreuungskräfte können Bewohnerinnen und Bewohner weiterhin selbständig einkaufen gehen, Arztbesuche termingerecht wahrnehmen, Ausflüge unternehmen aber auch einfach im hauseigenen Restaurant-Café über seine alltäglichen Momente plaudern. Diesen Vorteil lernt auch Derya Türk-Nachbaur kennen, als sie sich mit der Case-Management Beauftragten Svenja Witzig treffen. Ein weiteres Thema ist die Hausarztversorgung im ländlichen Raum: „Immer wieder haben wir die Problematik bei Neueinzügen: die Bewohner finden keinen Hausarzt, weil Ärzte keine Kapazitäten für Neuaufnahmen von Patienten haben“, so die Hausleitung Ileana Rupp.

Neben der teilstationären Pflege bietet das Kurstift auch einen kleinen vollstationären Bereich mit insgesamt 30 Pflegeplätzen an. Pflegefachkraft Svetlana Todorovic führt die Bundestagsabgeordnete für den Schwarzwald-Baar-Kreis durch die Station. Auch wenn die Pflege stressig sein kann, wirkt der Bereich sehr friedlich auf mich und die Freude der Bewohnerinnen und Bewohner nach einem Besuch ist unbeschreiblich.“, so Derya Türk-Nachbaur. Dem kann Pflegefachkraft Svetlana Todorovic nur zustimmen: „Der Kontakt zu den Bewohnern ist das Schönste an meiner Arbeit.“ Was jedoch neben Beziehungspflege zu den Senioren das A und O guter Pflege ist, zeigt sich im Dienstzimmer, denn ohne eine ordentliche Dokumentation geht hier gar nichts. Die Fraunhofer IML-Studie aus 2023 zeigt, dass Pflegekräfte durchschnittlich 109 Minuten pro Schicht mit der Dokumentation verbringen – mehr als eine volle Stunde täglich, die der direkten Patientenversorgung verloren geht. Digitale Dokumentationssysteme, insbesondere KI-gestützte Sprachdokumentation, bieten hier eine erhebliche Entlastung. So belegen Erkenntnisse der Charité, dass durch den Einsatz solcher Systeme durchschnittlich 39 Minuten pro Schicht eingespart werden können.

Auffällig ist, dass der Wohnbereich Pflege im Kurstift vollständig belegt ist. Ein Dauerzustand bekräftigt Svetlana Todorovic. Solitäre oder eingestreute Kurzzeitpflegeplätze in vollstationären Einrichtungen sind ein knappes Gut. Ältere Menschen, welche klinisch behandelt wurden und aus medizinischer Sicht für eine Entlassung bereit sind, können sich zu Hause (noch) nicht selbst versorgen (z.B. aufgrund einer Fraktur). Das KWA Kurstift hat deshalb in Kooperation mit dem Schwarzwald-Baar-Klinikum das Konzept D-Care Lab auf die Beine gestellt. Ziel ist es, kurzzeitpflegebedürftige Patienten nach Klinikaufenthalten im Schwarzwald-Baar-Kreis regenerationsfördernd in barrierefreien Gästeappartements im KWA Kurstift Bad Dürrheim zu pflegen und zu betreuen.  Dadurch kann eine nahtlose Überleitung von der Klinik ins Kurstift und nach der Genesungspflege in die häusliche Umgebung erfolgen. Die Genehmigung des Projekts steht auf Landesebene noch aus und auch die Pflegekassen haben noch keine Entscheidung über ein Modellprojekt getroffen.

Mit einem großen Kompliment an das gesamte Personal und einem beruhigenden Gefühl, dass es solche Einrichtungen wie das Kurstift gibt, geht es für den Besuch wieder nach Hause. „Machen Sie es gut!“, verabschiedet Derya Türk-Nachbaur eine Bewohnerin vom Kaffeekränzchen. „Machen Sie es besser!“, heißt es salopp zurück.

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